Warum „Ziele erreichen“ total überbewertet wird

Willst du neue Ziele erreichen? Ein neuer Job? Ein neues Business aufbauen? Viel Geld verdienen? Eine bessere Beziehung?

Viele Menschen nehmen das Neujahr zum Anlass, sich neue Ziele zu setzen. Wir schließen ein Kapitel (altes Jahr) ab und sind gespannt und frohen Mutes, dass im neuen Jahr alles viel besser wird.

Ziele erreichen

Kennst Du folgendes Szenario?

Du möchtest abnehmen:). (Ja, irgendwann kommt wohl jede(r) an diesen Punkt.)

Du willst schließlich im nächsten Sommer toll aussehen am Strand.
Daran ist ja nichts verkehrt.

Also wie stell ich das nun an?

Ich melde mich im Fitness-Studio an. Dann bin ich garantiert gerüstet in einem halben Jahr.

In der ersten Januarwoche bin ich topmotiviert und gehe 4x ins Studio. Auch die zweite Woche läuft noch super, obwohl schon alle Muskeln ein bisschen schmerzen.
Auch bin ich ein wenig neidisch auf die schlanken, durchtrainierten Körper, welche ich da sehe.

In der dritten Woche habe ich noch zwei Meetings – da schaff ich es halt nur 2x ins Studio. Nächste Woche wird’s wieder besser.

Aber in der nächste Woche kommt immer wieder etwas dazwischen, auch bin ich nicht mehr so motiviert. Da kommt der Anruf vom Kollegen gerade richtig…

So geht es weiter im Februar und in den folgenden Monaten.

Der Juni ist da – meine (alte) Figur auch noch.

Irgendwie habe ich es verpasst, vergessen oder was auch immer – na ja, gibt Schlimmeres.

Warum schaffen wir es nicht, unsere Ziele umzusetzen – dranzubleiben, motiviert zu bleiben?

Ziele erreichen vs. Gewohnheiten etablieren

 

Zuerst mal – entspanne Dich. Es ist bis zu einem bestimmten Grad ganz normal, dass wir immer wieder scheitern. Wir Menschen sind halt auch ein bisschen faul.

Auf der anderen Seite liegt das Problem in der Art und Weise, wie wir es anpacken. Wenn wir die Psychologie dahinter verstehen, können wir die Herangehensweise anpassen und werden erfolgreicher in unseren Projekten (z.B. beim Projekt „Abnehmen“).

 

  • Leute tendieren dazu, sich zu sehr auf die Selbstdisziplin, bzw. Willenskraft zu verlassen. Studien haben jedoch klar bewiesen, dass die Willenskraft nicht unendlich ist und nach einer gewissen Zeit wie ein Muskel erschlafft.
  • Leute tun sich schwer damit, neue gute Gewohnheiten zu etablieren.
  • Leute tendieren auch dazu, sich viel zu große Ziele zu setzen. Ich weiß, es gibt viele Gurus da draußen, die darauf schwören, dass man  „große Ziele“ visualisiert.
    Eigentlich ist daran auch nichts Verkehrtes, wenn man den nächsten Schritt auch macht: Dieses eine große Ziel in ganz kleine Schritte, Häppchen herunterzubrechen, welche man dann in Angriff nehmen kann. Gerade dies wird jedoch oft nicht oder zu wenig konsequent gemacht.
  • Leute stellen sich viel lieber ein großartiges und tolles Ziel vor: Das ist sehr angenehm, gibt dem Geist die perfekte Illusion. Aber was geschieht, wenn das Ziel erreicht ist? Beim Abnehmen zum Beispiel schlägt dann oft die Stunde des JoJo-Effekts!

 

Betrachten wir unser obiges Szenario unter diesen Gesichtspunkten, fällt sofort auf, warum wir uns im Juni doch nicht so stolz am Strand präsentieren können:

 

  • Es braucht sehr viel Selbstdisziplin, über Wochen hinweg, 2-4x pro Woche ins Fitness-Studio zu fahren und dort eine Stunde hart zu trainieren.
  • Das Ziel ist einfach zu weit weg. Sechs Monate sind eine lange Zeit, das eilt ja nicht so. Und wenn einmal ein Training ausfällt, ist das nicht so schlimm.
  • Das Ziel ist zu wenig exakt definiert: Wie viel genau will ich abnehmen?

 

Wie gesagt: Sich ein tolles Ziel vorzustellen ist viel angenehmer als sich auf eher langweilige Gewohnheiten zu konzentrieren.
Es fühlt sich einfach super an,  weil wir in diesem Moment ein klares Bild von uns haben (die schlanke, sexy Frau im Bikini oder der durchtrainierte, von allen Frauen begehrte Mann).

Dahingegen sind Gewohnheiten eher langweilig. Wir machen sie jeden Tag…relativ unspektakulär…

Allerdings:

Es lohnt sich jedoch, den Gewohnheiten mehr Aufmerksamkeit zu schenken.

Wenn wir eine Gewohnheit erst mal etabliert haben, dann wird sie praktisch zum Selbstläufer. Wir machen sie einfach, ohne groß darüber nachzudenken. Der Aufwand an Willenskraft ist nach der Anfangsphase relativ gering.

Es gibt keinen eigentlichen Endpunkt (wie beim Ziel).

Die Rückfallquote ist viel kleiner (dass man z.B. sehr schnell das ursprüngliche Gewicht – und oft noch mehr – wieder auf die Waage bringt).

Oder anders ausgedrückt:

Mit nur einem Ziel im Kopf fühlt es sich je länger desto härter an,  ins Fitness-Studio zu gehen.

Mit einer Gewohnheit fühlt es sich nach einer Weile hart an, NICHT ins Fitness-Studio zu gehen.

 

Wie man ein Ziel in eine Gewohnheit umwandelt

Ziele erreichen - Gewohnheiten etablieren

Es ist nichts Schlechtes daran zu träumen, an große Ziele zu glauben.

Die entscheidende Frage ist: Mit welchen Gewohnheiten kann ich dieses Ziel erreichen?

Welche Gewohnheit muss ich etablieren, damit am Tag X das Ziel Y erreicht wird?

Achte auf die folgenden Punkte:

 

  • Überlege dir: Welche Gewohnheit würde mich am besten für die Zielerreichung unterstützen?
  • Diese Gewohnheit sollte wenn möglich eine „tägliche Gewohnheit“ sein.
  • Reserviere eine ganz bestimmte Zeit (Zeitpunkt und/oder Zeitdauer: z.B. immer um 6 Uhr morgens und/oder jeden Tag 30 Minuten lang) für Deine neue Gewohnheit.
  • Versuche eine möglichst „einfache“ Gewohnheit zu etablieren. Beginne mit etwas Leichtem und Kleinem. Wenn Du das geschafft hast, kannst Du immer noch „etwas draufpacken“.
  • Ziehe diese Gewohnheit für mindestens 30 Tage durch. Das ist eine gute Zeitdauer, um das Ganze auf Autopilot zu stellen. (Die Psychologen sind sich da nicht einig, ob es nun 30 oder 45 Tage oder was auch immer sein sollen. Aber die 30 Tage haben sich bei mir und anderen sehr gut bewährt).
  • Entferne alle Hindernisse, welche Dich von der Ausübung Deiner neuen Gewohnheit abhalten könnten (Termine…).
  • Lass Dich von niemandem (Kinder, Partner, Kolleginnen, Nachbarn, Telefon, E-Mail, WhatsApp…) während der Ausübung der Gewohnheit stören.
  • Besorge Dir eventuell benötigtes Material im Voraus. Nichts ist ärgerlicher als wenn man voll motiviert starten möchte und dann plötzlich feststellt, dass die Hanteln fehlen.

 

Was heißt das nun für unser Sommer-Projekt?

1. Wie kann ich innerhalb von 6 Monaten fit und schlank werden? Welche Gewohnheit würde dies unterstützen?
Natürlich kann ich ins Fitness-Studio gehen und habe vielleicht auch Erfolg damit.
Ich würde aber einen anderen Weg wählen: Ich mache zu Hause ein Ganzkörpertraining.
2. Ich will dies täglich tun.
3. Da ich ein Morgenmuffel bin, reserviere ich mir 15 Minuten pro Tag und zwar wenn ich am Abend von der Arbeit nach Hause komme.
4. Ich suche mir im Internet 12 Übungen heraus, die ich jeweils für ca. 60 Sekunden mache, mit einer Pause von 15 Sekunden dazwischen.
5. Das Ziel ist es, diese Sequenz für 30 Tage durchzuziehen. Ich mache mir eine Tabelle, wo ich jeden Tag abhake. Dabei „gönne“ ich mir auch 3 Auszeiten (wenn ich es mal vergesse oder wirklich etwas seeehr Wichtiges dazwischenkommt). Dann habe ich nämlich nicht gleich versagt, wenn einmal ein Training ausfällt!
6. Meine Umgebung ist informiert über mein Vorhaben und meine Zeiten.
7. Für die Übungen brauche ich zwei einfache Hanteln, welche ich mir morgen besorge.

 

Ich bin überzeugt: Wenn Du diese neue Gewohnheit die ersten 30 Tage durchziehst, wirst Du auch die weiteren Monate dranbleiben. Ohne groß darüber nachzudenken, gehst Du nach der Arbeit in Dein Zimmer und machst dieses Ganzkörpertraining.

Kannst Du Dir vorstellen, wie Du in 6 Monaten aussehen wirst?

Dann denk doch einfach an Dein Ziel! Und träume…. Ziele erreichen „einfach“…

Photo: © Coloures-pic, © adrian_ilie825

3 comments

  1. Hey Roger,

    das ist wahrlich eine Spitzenidee Gewohnheiten zu etablieren. Es beruht auf einer bekannten Fragestellung: „Wie isst du einen Elefanten?“ 😉

    Du hast ne schöne lockere Schreibe. Ich komm dann mal öfter rum 🙂

    LG
    Ralf R. #erfolgswolf Wenda

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