10 Erkenntnisse, warum wir so irrational sind

Viele fragen sich, wie es möglich ist, dass ein so rationales Gebilde wie das menschliche Gehirn uns häufig so irrationale Dinge tun lässt.

Wieso irren wir uns so gewaltig in anderen Menschen?

Wieso belügen wir uns selber?

Wieso tun wir Dinge, die wir später bereuen?

irrational

 

Diese Mechanismen in Gehirn basieren alle auf psychologischen Mustern, die sich auf unser Verhalten auswirken.

Wie wir die wichtigsten Muster erkennen und aus ihnen entkommen, zeigen diese folgenden 10 Erkenntnisse der psychologischen Forschung:

1. Der Halo-Effekt

 

Der Halo-Effekt steht einfach ausgedrückt für einen imaginären Heiligenschein (oder auch imaginäre Teufelshörner), die wir unserem Gegenüber aufgrund seiner äußeren Erscheinung aufsetzen.

Einfache Experimente haben gezeigt, dass wir attraktiven Personen oder Prominenten automatisch weitere Eigenschaften wie Intelligenz, Charme oder Selbstlosigkeit unterstellen.

Umgekehrt werden unattraktive Personen auf den ersten Blick mit negativen Persönlichkeitsmerkmalen verbunden.

Dieser Effekt ist dabei keine Gemeinheit unseres Verstandes, sondern seine Art, unser Leben einfacher zu gestalten.

Dank der Stereotype in unserem Kopf müssen wir nicht jeden Menschen zeitaufwändig neu analysieren.

Wir müssen uns beispielsweise nicht fragen, ob der maskierte Räuber, der mit gezücktem Messer auf uns zurennt, böse Absichten hat oder nicht.

Abseits solcher extremen Fälle sollten wir jedoch die oft irrationalen Stereotype von Zeit zu Zeit hinterfragen und offen für positive Überraschungen bleiben.

2. Kognitive Dissonanz

 

Hinter diesem kompliziert klingenden Begriff steht ein einfaches Prinzip, das erklärt, warum wir uns selbst belügen.

Jeder Mensch versucht, ein positives Selbstbild aufrechtzuerhalten.

Dafür müssen unsere Handlungen und Entscheidungen mit unserer Einstellung und moralischen Werten übereinstimmen.

Wenn das nicht der Fall ist, entsteht das unangenehme Gefühl der kognitiven Dissonanz.

Dieses Gefühl wird zum Beispiel dann ausgelöst, wenn eine unserer Entscheidungen nicht das gewünschte Ziel erreicht oder das Ergebnis nicht zufriedenstellend ist.

Damit dieses Gefühl verschwindet, lügen wir uns selbst an; oft ohne es bewusst zu merken.

Wir reden uns im Nachhinein ein, dass wir keine Wahl hatten oder eine Situation gar nicht so schlimm gewesen ist.

3. Robber’s-Cave-Experiment

 

Diese Studie zeigte, wie negative Stereotype abgebaut werden können.

Hierfür wurden zwei Schülergruppen gebildet, die durch Ausflüge und Unternehmungen ein Gemeinschaftsgefühl entwickelten. Beide Gruppen traten anschließend in Wettkämpfen gegeneinander an, wobei eine Gruppe, ohne es zu wissen, mit Absicht zum Verlierer gemacht wurde.

Darauf entstand eine tiefe Abneigung gegen die andere Gruppe, die nicht durch einfache gemeinsame Zeit abgebaut werden konnten.

Erst die Bewältigung gemeinsamer Aufgaben, bei denen sie auf die Hilfe der anderen angewiesen waren, brachten die negativen Vorurteile zum Einsturz.

Dieses Experiment zeigt vor allem, wie schnell wir durch äußere Umstände gegenüber anderen negativ geprägt werden, ohne dass die anderen Personen etwas dazu beigetragen haben.

Diese irrationalen Vorurteile lassen sich wie gezeigt jedoch glücklicherweise wieder rückgängig machen.

4. Das Stanford-Prison-Experiment

 

Der Film „Das Experiment“ hat eindrucksvoll gezeigt, welchen Einfluss Macht und Gruppendynamik auf Menschen haben können.

Eine Gruppe Versuchspersonen wurde zufällig in Wärter und Gefangene unterteilt und in ein Gefängnis verbracht.

Dort entwickelten sich zahlreiche Konflikte, bis nach einer gewalttätigen Eskalation das Experiment abgebrochen wurde.

Dieses Experiment zeigt, wie irrational wir uns in bestimmten Situationen verhalten.

Allein die Gruppenzugehörigkeit oder eine zugewiesene Rolle kann dazu führen, dass wir die Verantwortung für unser Handeln abgeben, uns nicht mehr als Individuum wahrnehmen und entsprechend verantwortungslose Entscheidungen treffen.

Wir sollten uns daher fragen, an welcher Stelle wir uns hinter einer Rolle oder Gruppenzugehörigkeit verstecken und nicht mehr individuell entscheiden.

5. Das Milgram-Experiment

 

Dieses Experiment wurde zum regelrechten Skandal, als die Ergebnisse präsentiert wurden.

In einem Labor sollten Versuchspersonen einem nicht sichtbaren Gegenüber auf Anordnung eines Versuchsleiters Stromschläge in unterschiedlicher Stärke verabreichen. Die vermeintlich unter Strom gesetzte Person war ein eingeweihter Schauspieler, der durch deutlich hörbare Schreie seine vermeintlichen Schmerzen ausdrückte.

Das schockierende Ergebnis sorgte auch bei den Versuchspersonen für Verstörung über das eigene Handeln.

Allein die Anwesenheit des Versuchsleiters und dessen Aufforderungen reichten aus, trotz der markanten Schreie die Stromstärke bis zur (natürlich gespielt) tödlichen Dosis zu erhöhen.

Zusammengefasst zeigte dieses extreme und kontrovers diskutierte Experiment, dass die Menschen grundsätzlich die an sie gestellten Anforderungen erfüllen wollen.

Dabei lassen sie sich von vermeintlichen Autoritätspersonen zu Entscheidungen bringen, die sie ohne dessen Aufforderung wohl nie getroffen hätten.

In unserem alltäglichen Rahmen können wir daraus lernen, unseren Gehorsam gegenüber Autoritäten oder Normen kritisch zu hinterfragen und die eigenen moralischen Werte nicht zu vergessen.

6. Sind wir die Normalen?

 

Experimente haben gezeigt, dass wir automatisch davon ausgehen, dass die meisten Menschen genauso entscheiden würden wie wir.

Umgekehrt gehen wir davon aus, dass Menschen mit anderen Ansichten deutlich extremere Charakterzüge haben.

Einfach ausgedrückt betrachten wir uns selbst automatisch als die „Normalen“ und versuchen auf dieser Grundlage, das Verhalten unserer Mitmenschen vorherzusagen.

Natürlich liegen wir damit oft falsch.

Diese irrationale Annahme bewusst auszuschalten kann dabei helfen, unvoreingenommen und verständnisvoll auf andere Menschen zuzugehen und sie somit ohne Vorurteile kennenzulernen.

7. Der Mensch als Herdentier

 

Wir identifizieren uns oft mit den Gruppen, zu denen wir gehören.

Sei es die Familie, ein Sportverein oder der Freundeskreis.

Daraus folgt, dass wir andere Gruppen und deren Mitglieder häufig schlechter einschätzen, bewerten und behandeln.

Diese irrationale Konkurrenz hat damit zu tun, dass wir das Ansehen unserer Gruppe steigern und ihr einen Vorteil verschaffen wollen.

Wenn dir deine Gruppenzugehörigkeiten bewusst werden, kannst du die irrationalen Vorurteile gegenüber anderen Menschen reflektierter betrachten und bestenfalls ganz aufgeben.

8. Kooperation statt Kampf

 

Ein einfaches psychologisches Experiment hat gezeigt, dass wir immer zu besseren Ergebnissen kommen, wenn wir miteinander sprechen und gemeinsame Lösungen finden, anstatt uns auszustechen und zu bedrohen.

Bei dem Versuchsaufbau sollten zwei Kontrahenten die Besitzer eines Logistikunternehmens spielen, die aus entgegengesetzten Richtungen jeweils einen LKW über die gleiche Straße schicken müssen.

Diese Straße bot jedoch nur einem LKW Platz.

In den verschiedenen Versuchsreihen wurde variiert, ob beide oder nur einer mit einem verschließbaren Tor die Straße absperren und den Kontrahenten auf eine lange Ausweichroute schicken kann.

Gemessen wurde der theoretische Gewinn.

Das einfache aber für uns aufschlussreiche Ergebnis:

Gegenseitige Bedrohung führte für beide Parteien zum Verlust. Kooperation und Teamwork brachten hingegen den meisten Gewinn hervor.

9. Der Zuschauereffekt

 

Viele Forschungen haben gezeigt, dass bei Unfällen oder Verbrechen die Chance auf Hilfe kleiner ist, je mehr Menschen in der Nähe sind.

Je mehr Zuschauer, desto mehr verstecken sich die Einzelpersonen in der Masse.

Dieser irrationale und oftmals gefährliche Effekt lässt sich glücklicherweise umtrainieren.

Mit Selbstverteidigungskursen werden z. B. die Zivilcourage und das Selbstbewusstsein für aktive Hilfeleistung gestärkt.

Dabei können wir auch lernen, wie wir als Opfer diesen Effekt umgehen.

Wenn wir Hilfe brauchen, müssen wir gezielt einzelne Menschen ansprechen und zu konkreten Handlungen auffordern (wie z. B. die Polizei zu rufen) und sie somit aus der Gruppendynamik und Unsicherheit herausholen.

10. Konformität

 

Es gibt zahlreiche Experimente, die belegen, dass wir offensichtlich falsche Antworten geben, wenn wir vorher hören, dass die Mehrheit ebenso entschieden hat.

Wir wollen mit unserer sozialen Umwelt im Einklang leben und es widerstrebt uns, aus dem sozialen Gefüge herauszustechen.

Bei einem einfachen Experiment wurden Versuchspersonen zwei Bilder mit 4 Linien gezeigt, von denen nur 2 genau gleich lang waren.

Wenn die Mehrheit der Anwesenden eine offensichtlich falsche Linie auswählt, treffen auch die Versuchspersonen diese Entscheidung.

Diese irrationale Verhaltensweise lässt sich jedoch leicht beheben, wenn wir auf unser eigenes Urteilsvermögen vertrauen und uns nicht scheuen, auch einmal gegen den Strom zu schwimmen.

 

Action - now! www.simplehabits.deAction – now! Irrational ade!

(Diesen Tipp kannst du gleich umsetzen.)

Achte in nächster Zeit einmal darauf, wie deine innere Stimme (dieses geschwätzige „Ding“ in deinem Kopf, welches dich den ganzen Tag volllabert) auf nicht so attraktive Menschen reagiert.

Hast du Vorurteile?

Versuche diese Vorurteile ganz bewusst wahrzunehmen und frage dich selber (bzw. deine innere Stimme):

Stimmt es denn? Welche Beweise habe ich für diese negative Beurteilung?

 

Photo: ClkerFreeVectorImages

2 comments

  1. Hey Roger,
    dein Artikel gefällt mir sehr gut – knapp und auf den Punkt gebracht! Die Ergebnisse des Milgram-Experimentes haben mich damals auch enorm schockiert und an das „Menschliche“ in jedem von uns Zweifeln lassen.
    Auch wie sehr das Schubladendenken in unserem Unterbewusstsein verankert ist, nehmen wir häufig gar nicht mehr wahr bzw. hinterfragen unsere Sichtweisen nicht mehr.

    Sehr interessant!

    Liebe Grüße
    Yannic

    • Hi Yannic

      Ja, das Milgram-Experiment ist schon krass.
      Wir Menschen sind sehr beeinflussbar – und oft nehmen wir es gar nicht wahr. Trotzdem denken wir, dass wir alles im Griff haben.
      Eine Möglichkeit, sich diesem Einfluss ein wenig zu entziehen, ist Achtsamkeit.

      Herzliche Grüsse
      Roger

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